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Dresden, 15. November 2021

Konjunktur auf Erholungskurs – dennoch viele Unwägbarkeiten
Sächsischer Handwerkstag: Hauptproblem sind Material- und Lieferengpässe und steigende Energiekosten / Herbstkonjunkturergebnisse 2021 im Handwerk

Ungeachtet anhaltender Unwägbarkeiten durch die Corona-Pandemie hat die Konjunktur im sächsischen Handwerk im Herbst dieses Jahres an Fahrt aufgenommen. Als Konjunkturmotor erweisen sich vor allem Betriebe aus dem Bau- und Ausbaugewerbe, gefolgt von Handwerken für den gewerblichen Bedarf mit ebenfalls überwiegend gut gefüllten Auftragsbüchern. Dabei sorgen Privathaushalte, die während der Pandemie kaum Geld ausgeben konnten, in vielen Branchen des Wirtschaftsbereichs Handwerk für einen kräftigen Wachstumsschub. Dennoch zeugen Prognosen im Unternehmerlager fürs Winterhalbjahr eher von gedämpftem Optimismus.

„Skepsis bei den Geschäftserwartungen zeigt sich in erster Linie in jenen Gewerken, die durch Corona schon einmal besonderen Einschränkungen unterworfen waren. Darüber hinaus machen auch Handwerkern Lieferengpässe und Materialknappheit zu schaffen, zumal wegen explodierender Preise bei Zulieferern kaum noch verlässliche Kalkulationen für Handwerksleistungen möglich sind. Nicht zuletzt drohen Preisturbulenzen an den Energiemärkten den ohnehin fragilen Konjunkturauftrieb abzuwürgen.“ – Dieses Fazit zog Handwerkstag-Vizepräsident Tobias Neubert am Montag vor der Presse in Dresden.

Wie aus dem Herbst-Konjunkturbericht 2021 hervorgeht, bewerten – über alle Gewerbegruppen hinweg – knapp zwei Drittel der Befragten (63 Prozent) ihre Geschäftslage mit gut, 30 Prozent mit befriedigend, nur 7 Prozent mit schlecht (im Vergleich zur Vor-Corona-Herbstumfrage 2019 - gut: 70; befriedigend: 26; schlecht: 4 Prozent). Zurückhaltender allerdings sind die Erwartungen für die nächsten Wochen: Mit besseren bzw. gleichbleibenden Geschäften rechnen 9 bzw. 77 Prozent der Betriebe; 14 Prozent erwarten eher einen Abschwung.

Konjunkturtreiber im Gesamthandwerk sind – wie schon in Zeiten der Vor-Corona-Krise – die Betriebe des Bauhaupt- und des Ausbaugewerbes. Unternehmen beider Gewerbezweige geben die Geschäftslage zu je 74 Prozent (Herbst 2019: 75 bzw. 81) mit gut sowie zu 22 bzw. 23 Prozent (2019: 23 bzw. 17) mit befriedigend an. Zudem partizipieren vom Auftragsboom Handwerker, die für den gewerblichen Bedarf (Feinwerkmechaniker, Elektromaschinenbauer, Metallbauer usw.) arbeiten.  
Überwiegend stabil ist die Lage sowohl in Betrieben des Kfz-Gewerbes als auch in den Nahrungsmittelhandwerken (Bäcker, Fleischer, Konditoren), mit Abstrichen ebenso bei Anbietern personenbezogener Dienstleistungen (Friseure, Fotografen, Goldschmiede, Maßschneider u. a) sowie bei denen der Gesundheitshandwerke (Augenoptiker, Hörakustiker usw.)

Für eine Konjunkturerholung im sächsischen Handwerk nach fast anderthalbjähriger Corona-Krise steht die Beschäftigtenzahl. Mit anteilig 78 Prozent (2019: 76) geben – auch vor dem Hintergrund eines verbreiteten Fachkräftemangels – mehr als Dreiviertel der befragten Betriebe an, den Personalbestand konstant gehalten zu haben. Von Zuwächsen in der Belegschaft sprechen 11 Prozent der befragten Firmen (Bauhauptgewerbe, Nahrungsmittelgewerbe, Gesundheitshandwerke). Nur 5 Prozent der Firmen (2019: 7) geben an, die Belegschaft verringert zu haben.

In den meisten Gewerken auf Vor-Krisenniveau bewegen sich Umsätze und – vielfach jedoch deutlich besser – Verkaufspreise für handwerkliche Produkte und Dienstleistungen. 54 Prozent der Befragten (2019: 61) kommen bei Umsätzen auf Vorjahreswerte, 29 Prozent (2019: 28) auf Zuwächse. Nur 17 Prozent (2019: 11) zeigen Umsatzeinbußen an. – Noch positiver sieht es bei den Verkaufspreisen aus: 52 Prozent der befragten Betriebe (2019: 30) hat eigenen Angaben zufolge höhere Preise am Markt durchsetzen können. Dagegen melden 46 Prozent der Betriebe (2019: 68), Preise wie im Vorjahr kalkuliert zu haben.    

Ähnlich wie im letzten Herbst vor der Corona-Krise bewegen sich die Werte bei Auftragseingängen/Auftragsbestand im Sachsen-Handwerk. 18 Prozent der Firmen geben Zuwächse an (2019: 16 Prozent); für 68 Prozent (2019: 76) der Befragten entspricht die Auftragslage dem Vor-Krisen-Level. 14 Prozent (2019: 8) verweisen auf gesunkene Auftragseingänge. – Über alle Gewerbegruppen hinweg beläuft sich die Auftragsreichweite im Handwerk auf durchschnittlich 11,3 Wochen.   

Ungeachtet von Corona-Beschränkungen bleiben für Handwerker Investitionen in Ausstattung und Ausrüstungen ein wichtiges Thema. Dem Konjunkturbericht zufolge geben hierfür 14 Prozent der Betriebe (2019: 17) mehr Mittel aus. 62 Prozent der Firmen (2019: 65) legen für derartigen Ausgaben das Budget vom Herbst vor zwei Jahren zugrunde.     

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An der Herbst-Konjunkturumfrage im Sachsen-Handwerk 2021 beteiligten sich 1.603 von insgesamt 8.125 angeschriebenen Unternehmen; die Rücklaufquote beläuft sich damit auf 19,3 Prozent.

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