Presseinformation

Dresden, 15. November 2021

Appell an Politik: Mehr Netto vom Brutto, Lohnnebenkosten runter!
Sächsischer Handwerkstag: Berufliche Selbstständigkeit und Unternehmertum müssen wieder attraktiver werden

Vor dem Hintergrund eines unverändert hohen Fachkräftebedarfs in Handwerk und Mittelstand appelliert der Sächsische Handwerkstag an die künftig Regierenden in Berlin, beruflicher Selbstständigkeit und Unternehmertum wieder zu mehr Attraktivität zu verhelfen. „Durch mehr Netto vom Brutto müssen Leistungsträger der Gesellschaft wie das Handwerk wieder mehr Wertschätzung erfahren“, sagte der Präsident des Sächsischen Handwerkstages, Jörg Dittrich, am Montag vor der Presse in Dresden.

Dittrich verwies darauf, dass ein von der Politik bereits vor vielen Jahren abgegebenes Versprechen – das Einkommensteuerrecht umfassend zu reformieren und damit Steuerungerechtigkeiten zu beseitigen – noch immer nicht eingelöst wurde. Vor allem kleine und mittlere Einkommen würden durch den Tarifverlauf bei der Einkommensteuer („kalte Progression“) nach wie vor über Gebühr belastet und benachteiligt.

Hintergrund: Wegen der „kalten Progression“ bei der Einkommensteuer nimmt die Belastung mit jedem zusätzlich verdienten Euro zu. Im Zusammenhang mit der Inflation führt die Progression dann zu „heimlichen“ Steuererhöhungen für beruflich Selbstständige wie für Arbeitnehmer und damit zu enormen Steuermehreinnahmen im Staatshaushalt.

Aus diesem Grund bleibt für das Handwerk die Forderung nach einer grundlegenden Reform des Tarifverlaufs bei der Einkommensteuer vordringlich.

Mehr Netto vom Brutto bei kleinen und mittleren Einkommen ist nach Einschätzung des Handwerks darüber hinaus zu erreichen, wenn die Lohnnebenkosten gesenkt würden. Im Handwerk machten derartige Kosten vor allem jenen Unternehmen zu schaffen, die besonders personalintensiv ausgestattet sind (z.B. Friseure, Kosmetiker, auch Nahrungsmittelhandwerker), sagte der Präsident. Vor allem jene Handwerke sind es dann auch, die bei regelmäßiger Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns in besonderen Zugzwang geraten.

Handwerkstag-Präsident Dittrich: 
„Wenn gesetzliche Mindestlöhne steigen, erhöhen sich nicht nur für den Arbeitgeber die Lohnnebenkosten, sondern ebenso muss der Arbeitnehmer mehr Steuern und Sozialversicherungsbeiträge an den Staat abführen. Gewinner ist auch hierbei praktisch nur der Staat durch enorme Mehreinnahmen.“

Weitere Kernforderungen an die neue Bundesregierung

Zur Überwindung der Fachkräfteknappheit in Handwerk und Mittelstand beziehen sich weitere politische Kernforderungen des Sächsischen Handwerkstages an die künftig Regierenden in Berlin  

  • auf für Kleinbetriebe im Geschäftsalltag wirklich wahrnehmbare Effekte bei  Nachweis-, Dokumentations- und Aufbewahrungspflichten („Möge der neuen Regierungskoalition ein Bürokratieentlastungsgesetz gelingen, das seinen Namen auch verdient“) und damit ebenso auf eine deutliche Rückführung der Staatsquote,

    sowie
  • gesellschaftlich und politisch auf eine weitere Aufwertung der beruflichen Bildung in Deutschland, indem etwa an der dualen Berufsausbildung beteiligte Betriebe (z.B. durch eine bundesweite Ausweitung des Azubi-Tickets sowie durch eine deutliche Aufwertung des Meisterbonus) kostenseitig entlastet werden.

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Der Sächsische Handwerkstag ist die größte Landeshandwerksorganisation im Osten Deutschlands und vertritt aktuell mehr als 56.000 Betriebe, in denen annähernd 320.000 Menschen beschäftigt sind.

Pressekontakt:
Sächsischer Handwerkstag • Presse- und Öffentlichkeitsarbeit,
Frank Wetzel,
+49 (0)351 4640-400

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